Spaliergehölze

Spalierbäume, mal was anderes im Garten!
Unsere holländischen Gartenfreunde pflanzen schon seit langem Spalierpflanzen in ihre Gärten. Sie bieten einen guten Sicht- oder Windschutz, nehmen aber nicht so viel Platz weg. Somit können auch eigentlich groß werdende Bäume auf einem begrenzten Raum genutzt werden. So werden Kronen in symmetrische Formen wie Kegel, Würfel oder schmale Streifen auf Stamm erzogen.

Gerade in Kombination mit eher puristisch gehaltenen Neubauten, ergeben sich interessante Gestaltungsmöglichkeiten. Schöne Vorbilder sind in den historische Gärten zu bewundern, wie in den Herrenhäuser Gärten in Hannover oder Sanssouci in Berlin.  Bäume, die uns wegen ihrer Atmosphäre, Blattfärbung oder den Früchte gefallen, können so auch einen kleinen Garten wachsen. Nachteilig ist, dass sie zeitlebens in Form gehalten werden müssen, sie ziehen jedoch immer die Blicke auf sich, denn im Alter werden sie immer schöner.
Spalier- und Formbäume werden von den Baumschulgärtnern in jahrelanger Arbeit in die gewünschte Form herangezogen. Zu quadratischen Formen, Dachformen oder Schirmen (Platanen), Kuben oder Kegeln. Formgehölze sind eine alte Baumschulkunst und aus vielen historischen Gärten bekannt. Bevor der Stacheldraht erfunden wurde, formten die Landwirte Heckenpflanzen zu Spalieren, die zugleich Grenze, Sicht- und Sonnenschutz waren. Gern genutzt wurden die Linden, die im Sommer Schatten spendeten und im Winter kein Licht raubten. Auch viele der alten Dorf- oder Tanzlinden finden ihren Ursprung in der Lust, Pflanzen eine besondere Gestalt zu verleihen. Neben den Zierbäumen wurden auch das Obst intensiv als Spalier genutzt, denn die dicht an die Hauswand gepflanzte Birne wuchs besser und die Früchte reiften sicher heran. Schon im Mittelalter wurden erste Bücher über die Schnittkunst geschrieben, so wichtig war das Thema. Wenn auch nur für einige sehr gut betuchte Herrschaften!

Eine wichtige Pflanze ist hier die Glanzmispel Photinia fraseri ‚Robusta Compacta‘. Ein sehr schöner immergrüner Strauch, der sich inzwischen großer Beliebtheit als Heckenpflanze erfreut. Diese verbesserte Photiniensorte treibt ihre neuen Triebe dunkelrot aus und hält diese Farbe länger, sie wächst buschiger und geschlossener und bietet mit den weißen Blütendolden einen schönen Anblick im Garten.

Die Glanzmispel ist eine eher anspruchslose Pflanze, die in fast jedem Boden wächst. Am liebsten aber an sonnigen bis absonnigen Standorten. Diese Sorte wächst langsamer und dichter als die Art und ist deshalb besonders für den kleinen Garten oder die Terrasse geeignet. Photinia fraseri 'Robusta Compacta‘ wirkt auch als Solitärpflanze oder natürlich in der Gruppe als Hecke. Sie ist sehr schnittverträglich.


Die Photinie ‚Red Robin‘ haben wir in diesem Herbst auch als Spalier im Sortiment, ebenso wie die Hainbuche Carpinus betulus. Die Hainbuche ist Baum, der auch das Stadtklima verträgt, sowie Standorte von Sonne bis Schatten, natürlich wind- und frostfest. Seine Eignung als Formgehölz kennen wir aus vielen historischen Gartenanlagen. Photinia "Red Robin bietet mit ihrem, im Austrieb roten Laub, sowie den schönen glänzenden Blätter einen richtig schicken Anblick im Vorgarten. Die Hainbuche behält meist ihr Herbstlaub bis zum Neuaustrieb und wirkt so auch über Winter als Sichtschutz.
 
Der Amberbaum zählt unseren schönsten herbstfärbenden Gartengehölzen. Für die Liebhaber der Liquidambar styraciflua wäre die Spalier- oder Säulenform sicher auch einige Betrachtungen wert. Ein Baum, der im Herbst ein sensationelles Feuerwerk an Blattfarben bietet, aber auch durch die stark zerfurchte Rinde wirkt.  Ein wärmeliebender Baum, der den eher mageren Boden bevorzugt.

Eine Pflanze, die zunehmend in der modernen Gartengestaltung Eingang findet, ist die schlanke Säule der Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens). Jeder Toskana-Besucher kennt die Reihen schlanker Säulen, die die Wege säumen. Sie bevorzugen den  durchlässigen, und lockeren Boden, wachsen aber auch in großen Töpfen und setzen damit moderne Akzente am Haus. Die Erhaltung der schlanken Silhouette verlangt aber nach einen regelmäßigen Formschnitt im Frühjahr. Topfpflanzen gehen als letzte ins Winterquartier, In Garten gepflanzte Exemplare müssen evtl. vor der Wintersonne und austrocknenden Winterwinden durch geschickte Standortwahl geschützt werden. Auch eine gute Wasserversorgung  bevor der Frost einsetzt ist ratsam. Wer hier eine robuste Alternative sucht, kann auch zur schlanken Säule geschnittene Thuja occidentalis ‚Smaragd‘ verwenden. Der Pflegeaufwand ist der Gleiche, nur für die Pflanze sind rauere Standorte kein Problem. 

Besondere Pflanzenschätze sind der japanischen Bonsai-Tradition nachempfundene Gehölze. Natürlich sind zwergförmig wachsende japanische Ahornsorten dafür erste Wahl. Aber auch viele Koniferen lassen sich so erziehen, Kiefern und Fadenzypressen, aber auch Wacholder und Eiben. Manche wachsen schon skurril ohne Zutun, wie die Muschelzypresse oder zwergwüchsige Ginkgo, manche müssen erst in mehreren Jahren in diese Form gebracht werden.  Hier genügen minimalistisch ein besonders schöner Stein und vielleicht ein exklusives Gras und schon entsteht eine ganz besondere fernöstliche Stimmung, die gut zu modernen Bauten passt.