Obstbäume richtig schneiden

Viele Früchte ernten mit dem richtigen Baumschnitt   Fachgerecht und einfach Obstgehölze schneiden

Im zeitigen Frühjahr bieten wir unseren Kunden kostenlose Seminare an, um den richtigen Schnitt der Bäume zu lernen. Wir zeigen die richtigen Schnitttechniken, abgestimmt auf die einzelnen Obstsorten und verschiedene Wuchsformen und geben Pflegetipps für eine erfolgreiche Ernte.    

Wir zeigen die korrekten Schnitttechniken am Baum. Die beiden Kursleiter Franz Weiler und Peter Melchior sind erfahrene Praktiker. Franz Weiler beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Obstgehölzen und viele unserer Kunden schätzen sein großes Fachwissen. Gärtnermeister Peter Melchior zeigt den Obstschnitt direkt am Baum.
Grundsätzliches
Obstbäume sollten einmal jährlich geschnitten oder zumindest ausgelichtet werden. Ein regelmäßiger Schnitt sichert eine gute Ernte und die lange Ertragskraft des Obstbaumes.

Ein Schnitt sollte immer mit Überlegung durchgeführt werden: denn je stärker ein Baum beschnitten wird, desto eifriger bildet er im Frühjahr neue Triebe. Das Wachstum kostet den Baum soviel Kraft, dass sie ihm später zur Blüte und Fruchtbildung fehlt. Das Ergebnis ist ein üppig belaubter Baum mit nur wenigen Früchten!  Aber auch umgekehrt ist es nicht richtig: der nicht geschnittene Baum reduziert das Wachstum und bildet viele sehr kleine Früchte. Es gilt deshalb den goldenen Mittelweg zu finden.
 

Grundsätzlich sollten alle aufrecht wachsenden Triebe, die 'Wasserschosser' entfernt werden. Diese Triebe tragen erstmal keine Früchte, kosten den Baum aber viel Kraft. Auch tote und gebrochene Äste werden weg geschnitten. Schwache Fruchttriebe mit nur einer Blütenknospe werden stark zurückgenommen, Triebe mit Doppelknospen dagegen werden nur leicht eingekürzt.
Alle sich kreuzende Zweige und Triebe, die nach Innen wachsen, können ruhig weg geschnitten werden. Das übrig gebliebene Gerüst an Ästen sollte so licht sein, das man den Hut durchwerfen kann!  Nur so kann im Sommer ausreichend Licht und Luft in den Baum gelangen. Die Früchte und Blätter trocknen schneller ab, der Krankheitsdruck durch z.B. Mehltau oder Schorfsporen wird natürlich reduziert.  

Wann schneiden?
Im ausgehenden Winter (die günstigste Zeit ist der Januar und Februar, solange die Bäume noch ruhen, bei Temperaturen über den Nullpunkt) wird vor allen das Kernobst wie Apfel, Birne, Quitte und Steinobst wie Zwetschge, Mirabelle und Pflaume geschnitten.

Nach den Obstgehölzen werden die Beerensträucher und Ziergehölze geschnitten. Der Schnitt sollte auf jeden Fall vor dem Knospenaustrieb erfolgen.

Johannis – und Stachelbeeren bringen den besten Ertrag, wenn sie konstant mit 6-8 Trieben in Form gehalten werden. Im Februar können die ältesten Triebe weg geschnitten und durch junge, nachwachsende ersetzt werden

Achtung: Schwarze Johannisbeeren tragen nur am einjährigen Holz, alle alten Triebe müssen entfernt werden. Ab dem 3. Standjahr muß konsequent ausgelichtet werden. Nicht geschnittene Pflanzen tragen sonst kaum noch Früchte.   

Bei den Himbeeren muß zwischen den Sommer- und Herbstsorten unterschieden werden: sommertragende Sorten fruchten in der Regel an den im Vorjahr gewachsenen Trieben. Alle älteren Triebe können deshalb entfernt werden.

Bei den Herbstsorten wie z.B. 'Autumn Bliss' werden die Früchte an den frisch gewachsenen Trieben gebildet. Alle älteren Triebe können raus. Um eine gute Himbeereernte zu erzielen, sollten max. 10-12 Ruten pro qm stehen bleiben.

Eine Weintraube braucht immer ein stabiles Spalier. Der Schnitt und die Erziehung sind relativ aufwendig, aber wichtig. Trauben bilden sich nur am einjährigen Holz, das aus zweijährigem Holz entspringt. Entwickeln sich im ersten Wuchsjahr mehrere Triebe, lässt man nur den kräftigsten stehen und bindet ihn an einer Stütze fest. Dies ist wichtig, um eine gerade Stammbildung zu erreichen. Zeitig im Februar sollten die Weintrauben bis auf 3 Augen zurück geschnitten werden. Gleichzeitig werden die Triebe am Gestell fixiert. Im Sommer sollten die Triebe über dem Fruchtansatz entlaubt werden, damit viel Sonne an die reifenden Früchte gelangt.
Der Schnitt von Pfirsich- und Nektarinenbäumen ist diffizil, hier muss zwischen den Knospentypen (Blatt- und Blütenknospe) unterschieden werden. Der Schnitt sollte deshalb jährlich im Sommer durchgeführt werden, das fördert das Wachstum von Blütenknospen und die Knospen können zu diesem Zeitpunkt unterschieden werden. Ende Mai werden überflüssige Äste entfernt, Anfang Juli erfolgt ein zweiter Schnitt, bei dem Schosser, fehlgebildete Triebe abgeschnitten werden und der Baum insgesamt ausgelichtet wird. Den Schnitt dieser Früchte lässt man sich am besten erstmal zeigen.       

Achtung bei Nüssen: Walnüsse dürfen nur im Sommer (Juli) bis Herbst (nach der Ernte), geschnitten werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Bäume ausbluten!
Sommerblühende Ziergehölze wie der Sommerflieder, die Bartblume oder Spierstrauch können jetzt auch mutig runter geschnitten werden. Sie blühen alle am einjährigen Holz. Die Sträucher können bedenkenlos um etwa 2/3 eingekürzt werden. Sie wachsen dann kräftig nach und blühen reichlich. Forsythien werden dagegen erst nach der Blüte geschnitten!

Auch die Wühlmaus ist  in vielen Garten ein großes Problem und sorgt ohne Bekämpfung für große Schäden an den Baumwurzeln. Die letzten Jahren waren ausgesprochene Mäusejahre. Die Feld- und Wühlmäuse haben sich massenhaft vermehrt und die Wühlmäuse können gerade jetzt im Winter sehr gut bekämpft werden.

Die Versorgung der Baumwunde
Der Obstschnitt mit Schere und Säge führt zu Verletzungen der Pflanze, die fachgrecht versorgt werden müssen. Wichtig ist ein sauberer Schnitt ohne Aus fransungen oder abgerissene Rindenteile. Die Schnittränder müssen sauber und glatt ausgeschnitten werden. Glatte Wunden heilen schneller als rissige und der Baum kann diese auch selbst schneller heilen.

Unsere Gärtner arbeiten mit den Profischeren von Felke, die sich seit Jahrzehnten in der Praxis bewährt haben. Wundbalsam können Sie auch in der Gartenzentrale erwerben,   

Am besten heilen hochovale Wunden weil sie optimal mit Korkzellen versorgt werden, die im Saft des Baumes transportiert werden. Pflanzen bilden nur in der Rinde Wundgewebe, deshalb geht die Heilung auch immer vom Rindenrand aus. Die Pflanzensäfte fließen nur in der Rinde und befördern Wasser und Nährstoffe nach oben, die Stoffwechselprodukte werden im Gegenzug nach unter transportiert. Im Holzkern selbst fließt kein Saft. Deshalb sind Schäden unter der Rinde so gefährlich, weil vom Baum selbst nicht mehr heilbar! Fäulniss und Pilze und Krankheitserreger wie zB. Rotpustel dringen ein und führen zu weiteren Schäden. Mit der Zeit entstehen so Löcher und Hohlräume.    

Der Schnitt sollte eng an der Austriebstelle erfolgen, so das möglichst keine Stummel übrig blieben. Sie werden nicht mehr vom Saftfluss versorgt und trocknen aus.     

Die Selbstheilung des Baumes solltes deshalb mit einem Wundverschlussmittel unterstützt werden. Es muss aber auf gesundes Gewebe aufgetragen werden. Krankes Holz wegschneiden und die künstlich Rinde aus der Tube gründlich auf der Wunde verteilen. Weitere Tipps und Kniffe zum fachgerechten Schnitt der Bäume, erfahren Sie auch in den kostenlosen Schnittkursen im Februar in der Gartenzentrale.  

Der Obstschnitt zur Vorbeugung von Krankheiten
An frostfreien Tagen kann jetzt mit dem Schnitt von Obstbäumen begonnen werden. In einem Zug kann mit dem Schnitt der Pflanzen auch verschiedenen wichtigen Krankheiten und Schädlingen vorgebeugt werden.

Von der Moniliakrankheit werden vor allem Sauerkirschen, Pfirsiche und Aprikosen befallen. Charakteristisch sind die vertrockneten Triebspitzen und Mumienfrüchte, die unbedingt vor dem Frühjahrsaustrieb bis weit bis ins gesunde Gewebe hinein heraus geschnitten werden müssen. Auch das unter den Bäumen liegende Fallobst muss entfernt und vernichtet werden.

Der Apfelmehltau überwintert in den Knospen zwischen den Schuppen. Befallene Knospen und Triebe sind matt und wirken kraftlos. Diese müssen  entfernt und auch alle neuen, während des Austriebes befallenen Teile müssen konsequent herausgeschnitten  werden. Diese Pflege spart später aufwändige Behandlungen mit Chemikalien.

Die Raupen und Puppen des Apfelwicklers überwintern in Gespinsten in den Schuppen der Borke. Sie müssen jetzt aufgespürt und vernichtet werden. Jede entfernte Raupe verringert die Anzahl wurmstichiger Äpfel. Wellpappe, die als Versteck für die Raupen um die Stämme gelegt wurde, sollte  jetzt entfernt und ebenfalls vernichtet werden. Ansonsten kann der Baum auch mit einer kräftigen Bürste angeschruppt werden.
Nicht ohne ist auch die Apfelbaumgespinstmotte, deren Eier jetzt auf der Rinde von Trieben und Zweigen versteckt liegen. Die jeweils 40 bis 80 Eier sind mit einem dunklen Sekret abgedeckt, wodurch sie kaum vom Stamm unterscheiden werden können. Alle verdächtigen Stellen sollten abgekratzt werden

Welcher Obstbaum paßt zu mir?
Vor dem Kauf von Obstgehölzen sollte man gut überlegen, welche Erwartungen an den Obstbaum bestehen: Früchte für den sofortigen Verzehr oder zum Einmachen? Favorisiere ich eher süße Früchte oder die lieber die sauren Sorten.

Habe ich Platz für einen Hochstamm oder bevorzuge ich eher die Rückenschonende Variante als Buschbaum oder aus Platzgründen einen Pillar?  Die Suche nach dem passenden Obstbaum ist nicht einfach. Es gibt unglaublich viele verschiedene Apfelsorten in allen Geschmacksrichtungen von süß bis sauer, deren Früchte vom Frühsommer bis zum Herbst geerntet werden können.
In fast jedem Garten ist Platz für einen Obstbaum. Die Pflege ist schnell zu lernen und der Baum dankt diese mit einer reichen Ernte über viele Jahre.

Obstwochen im Herbst
Im Herbst veranstalten wir in der Gartenzentrale die Obstwochen. Nutzen Sie die Möglichkeit viele Apfel- und Birnensorten zu kosten und sich danach für einen Obstbaum zu entscheiden. Wir beraten auch gerne über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Sorten und Wuchsformen. Vorzugsweise bieten wir Sorten an, die zu unserem örtlichen Klima passen. Im Frühling sind in der Gartenzentrale wieder viele Obstsorten vorrätig.

Die Pflanzung des Baumes
Wurzelnackte Obstgehölze können bis Mitte April gepflanzt werden. Pflanzen im Container können – außer bei Frost – das ganze Jahr über gepflanzt werden. Die Pflanzen müssen vor dem Pflanzen gut gewässert werden und die Wurzeln um etwa 1/3 eingekürzt werden, um die Bildung neuer Feinwurzeln zu fördern. Ebenso müssen die Triebe kräftig zurück geschnitten werden. Pflanzen nach dem Einpflanzen noch mal gut wässern.  

Alle Tipps zum Nachlesen auch in unserer Broschüre 'Richtig pflanzen', erhältlich an der Kasse.  

Beim Kauf des Obstbaumes führen unsere Mitarbeiter den ersten Pflanzschnitt gerne fachgerecht für Sie durch.